Meisterzeichnungen VIII
Hier finden Sie eine Auswahl von schönen und interessanten Zeichnungen aus mehreren Jahrhunderten.
1
MARTINO ALTOMONTE, eigentl. MARTIN HOHENBERG – zugeschrieben
Neapel 1657 – 1745 Wien

Maria mit dem Jesusknaben, der die Fesseln von Gefangenen löst, darüber Gottvater. Lavierte Federzeichnung in Braun mit doppelter Einfassungslinie um 1700.
Recto und verso in Bleistift von fremder Hand zugeschrieben. Auf bräunlichem Bütten. 17 x 21,2 cm (Darstellung; Blatt: 18,3 x 22,5 cm) Schwach fleckig, mit wenigen, vereinzelten Knickspuren und mit teils durchscheinenden Klebespuren in den Ecken auf Unterlage montiert. Altomonte war Sohn des aus Tirol nach Neapel eingewanderten Bäckers Michael Hohenberg und ging mit 15 Jahren nach Rom in eine fünfjährige Lehre bei Giovanni Battista Gaulli, gen. Bacciccio. Anschließend studierte er bei Carlo Maratta und wahrscheinlich auch an der Accademia di S. Luca. Ab ca. 1700 in Wien tätig, verschmolzen italienische und französische Anregungen In seinem Werk. Er gilt neben Johann Michael Rottmayr als Begründer der barocken österreichischen Deckenmalerei. Interessante Zeichnung mit durch Lavierung erzielten, kontrastreichen Licht- und Schatteneffekten. Provenienz: Winterberg, Heidelberg, Auktion 42, 1991. Sammlung Erik Jayme, Heidelberg.
Verkaufspreis: 2.200 €
2
GIUSEPPE BERNARDINO BISON
Palmanova/Friaul 1762 – 1844 Mailand

Madonna mit Kind und Heiligen. In Rotbraun lavierte Federzeichnung in Braun über Rötelskizze, um 1800.
Vgl. Magani, Fabrizio und Giuseppe Pavanello, I disegni di Giuseppe Bernardino Bison dell’Album Scaramangà di Trieste, Triest, 1996, Nr. 1 mit ganzseitiger Farbabb. S. 39. Von Feuerbach bis Fetting. Bilder einer Privatsammlung. Ausstellungs-Katalog Städtische Galerie im Kulturhof, Speyer 2002, Nr. 43 (dort schreibt der Sammler Erik Jayme: „Der Ankauf der Madonna mit Heiligen von Bison gab diesem Teil der Sammlung ein eigenes Gewicht“). –
Auf Bütten mit Wasserzeichen: „Bekrönter Löwe“. 23 x 17,6 cm (Blatt und Darstellung). Gering knitterfaltig. Linke untere Ecke mit braunem Fleck und linker Rand mit winzigem Löchlein sowie rechte untere Ecke mit ergänzter Fehlstelle. Im Alter von 15 Jahre kam Bison nach Venedig und konnte dort noch den direkten Einfluß des venezianischen Settecento erleben, vermittelt durch Giovanni Domenico Tiepolo und Francesco Guardi. Trotz seiner lombardischen Herkunft konnte Bison hierdurch zu einem der letzten Vertreter werden, dessen Erbe er weit bis in das 19. Jahrhundert vermittelte. Prof. Bernard Aikema, Katholieke Universiteit Nijmegen schreibt in beiliegender Expertise vom 29. 5.1997 zu vorliegender Zeichnung: „Bison war ein brillanter Eklektiker, der sich in diesem Blatt von Tiepoloesquen Vorbildern inspirieren lässt. Die Kopfform der Madonna, der etwas nervöse Federstrich und die Arcierungen sind so gut wie eine Signatur von Bison. Für Vergleichsbeispiele könnte ich Sie verweisen… nach der Publikation von Fabrizio Magani und Giuseppe Paravello, G. B. Bison, L’Album Scaramangà, Trieste 1996. In diesem Prachtband wird ein ganzes Skizzenbuch von Bison publiziert mit wunderbaren Abbildungen. Sie werden sehen, dass Ihre Zeichnung zweifelsohne vom selben Autor stammt“. Provenienz: Winterberg, Heidelberg, Auktion 43, 1992. Sammlung Erik Jayme, Heidelberg.
Verkaufspreis: 5.800 €
3
LODOVICO CARDI, gen IL CIGOLI – Umkreis

Heiliger Bischof Carlo Borromeo im Gebet vor einem Altar kniend. Darstellung mit Rundbogenabschluß, vermutlich Vorstudie für eine größere Arbeit. In Braun lavierte Federzeichnung in Schwarzbraun mit Einfassungslinie mit Bleistiftquadratur, um 1615.
Auf Bütten. 24,2 x 14 cm (Darstellung; Blatt: 31,5 x 25 cm). Im Passepartoutausschnitt gering gebräunt. Etwas stock- und braunfleckig. Verso an den Rändern teils mit geringfügig durchscheinenden Klebespuren. Cardi war als (Kirchen-) Maler, Zeichner, Architekt und Kunstschriftsteller sowohl in Florenz als auch Rom tätig. Er schuf auch Entwürfe zu Theateraufführungen, Kostümen und Bühnenbildern, so im Jahr 1608 für die Hochzeit von Maria de’ Medici mit Heinrich IV oder die Hochzeitsfeier von Cosimo II de’ Medici und Maria Magdalena von Habsburg. 1613 starb er überraschend in Rom. Die vorliegende Zeichnung zeigt in der Bildkomposition und der Anordnung große Ähnlichkeit mit einem sich in einer Seitenkapelle der Kirche San Nikola in Pisa befindlichen Gemälde „San Carlo Borromeo adora il crocifisso“ welches von der Hand des Cigoli-Schülers Giovanni Bilivert (1576 – Florenz – 1644) stammt. Provenienz: Winterberg, Heidelberg, Auktion 39, 1989. Sammlung Erik Jayme, Heidelberg.
Verkaufspreis: 2.800 €
4
LUDOVICO CARRACCI – Umkreis

Mänade im Gespräch mit Bacchus. Darstellung mit angerundetem Oberrand, wohl Lünettenentwurf. In Braun aquarellierte und in weißer Kreide gehöhte Bleistiftzeichnung.
Recto und verso alt zugeschrieben „L. Carracci“. Auf blaugrünem faserigen Bütten. 24,7 x 38 cm (Darstellung und Blatt). Leicht gebräunt und stockfleckig. Mit winzigem Löchlein, am Unterrand mit Tintenspur sowie geringfügig in die Darstellung reichende Beschädigung am Oberrand restauriert. Mit teils durchscheinenden Klebespuren an den Rändern. Fein ausgeführte, durch Höhung und Lavierung sehr plastisch wirkende Darstellung. Provenienz: Winterberg, Heidelberg, Auktion 70, 2005. Sammlung Erik Jayme, Heidelberg.
Verkaufspreis: 1.200 €
5
GIOVANNI BATTISTA CROSATO
Treviso (?) 1697 – 1758 Venedig

Soldaten übergeben ihre Waffen einem Heiligen. Darstellung mit muschelförmiger Rocailleumrahmung, vermutlich Vorstudie für ein Deckengemälde. In Grau lavierte Federzeichnung in Braun über Bleistift.
Von Feuerbach bis Fetting. Bilder einer Privatsammlung. Ausstellungs-Katalog Städtische Galerie im Kulturhof, Speyer 2002, Nr. 47. –
In der Umrahmung signiert „Giambattista Crosato“ und ortsbezeichnet „Venezia“. Auf leichtem chamoisfarbenem Bütten mit nicht identifizierbarem Fragment eines Wasserzeichens. 17 x 18 cm (Darstellung; Blatt: 26 x 19 cm). Gering gebräunt und vereinzelt fleckig. Mit schwachen Knickspuren. Ränder teils etwas unregelmäßig. Unterrand mit hinterlegtem Einriß. Oberrand hinterklebt. Crosato war als Bühnenbildner, Dekorationsmaler für Kirchen und Paläste sowie als Zeichner tätig. Über seine Ausbildung ist wenig bekannt, jedoch hat er sich vermutlich an Werken von Sebastiano Ricci, Jacopo Amigoni und Antonio Pelligrini geschult. Er war in Turin und Venedig, vermutlich aber auch in Bologna tätig. Die vorliegende Zeichnung ist motivisch nicht endgültig einzuordnen, da auch die Segnung der Waffen der knienden Soldaten durch einen Heiligen dargestellt sein könnte. Provenienz: Sammlungen L. Zatzka, Wien und „HL“ im Halbkreis, vermutlich Hans Licht (Lugt 2672 und nicht bei Lugt). Winterberg, Heidelberg, Auktion 30, 1985. Sammlung Erik Jayme, Heidelberg.
Verkaufspreis: 2.500 €
6
GASPARE (GASPARO) DIZIANI, gen. MAMMA – zugeschrieben
Belluno 1689 – 1767 Venedig

Auferstehung Christi. In Grau lavierte Federzeichnung in Braun mit Bleistift mit Einfassungslinie in Tuschfeder.
Verso in Tuschfeder als zugeschrieben „Diziani“ und bezeichnet „168“ sowie mit weiteren, teils unleserlichen Bezeichnungen in Bleistift (darunter „N. 1329“). Auf Bütten mit Wasserzeichen: Wappen mit Helm und Helmzier. 41,2 x 29,5 cm (Blatt und Darstellung). Mit geglätteter, horizontaler Mittelfalte. Gering angestaubt und stockfleckig. Mit kleiner Fehlstelle im Bereich der linken unteren Einfassungslinie. Verso an den Rändern mit teils durchscheinenden Resten alter Montierung sowie Klebespuren. Diziani zählt zu den führenden Meistern des Spätbarock. Er begann seine Ausbildung bei Antonio Lazzarini in seiner Geburtsstadt. 1709 trat er in Venedig zunächst in die Werkstatt von Gregorio Lazzarini ein, dann setzte er seine Ausbildung bei Sebastiano Ricci fort, der ihn nachhaltig beeinflusste. Ab 1712 hielt er sich in England und Deutschland auf, wo sich in Dresden sein Können ab 1717 zu voller Blüte entfaltete und er als Kirchen- und Bühnenmaler für Kurfürst August III. von Sachsen tätig war. Von einem Aufenthalt in Rom 1726/27 abgesehen, war ab 1720 erneut in Venedig ansässig. Nach dem Tod von Ricci 1734 gab er die Bühnenmalerei auf, wandte sich ganz der Dekorationsmalerei und nahm zahlreiche Aufträge für Historien- und Landschaftsgemälde an. Die vorliegende Zeichnung weist Charakteristika von Dizianis Zeichenstil auf, die sich auch bei weiteren Zeichnungen finden. Auffallend ist hier besonders der Gegensatz zwischen den Figuren der Soldaten sowie des Engels mit kräftigen Konturlinien und die akzentuierter Lavierung und der durch einen zarten Umriß und dezenter Pinselführung durchgeistigt wirkenden Christusgestalt. Das Blatt könnte eine Vorstudie oder Entwurfszeichnung für ein Altarbild sein. Provenienz; Sammlung Erhard Oskar Kaps, Leipzig (Lugt 3549) und Dr. Rainer Kaps, Leipzig (Sohn des vorherigen; Lugt 4641) sowie Erik Jayme, Heidelberg.
Verkaufspreis: 4.800 €
7
GASPARE (GASPARO) DIZIANI, gen. MAMMA – zugeschrieben
Belluno 1689 – 1767 Venedig

Sich fürchtende, liegende und stehende Soldaten. Studienblatt mit 3 Einzeldarstellungen. In Grau lavierte Federzeichnung in Braun, oberitalienisch, 1. Hälfte 18. Jahrhundert.
Rechts oben in brauner Feder paginiert „17“. Auf leichtem Bütten. 27,1 x 19,3 cm (Darstellung und Blatt). Mit kleinen Fehlstellen alt aufgezogen. Gering (braun-) fleckig sowie am Unterrand mit schwachen rötlichen Farbspuren. Diziani zählt zu den führenden Meistern des Spätbarock. Er begann seine Ausbildung bei Antonio Lazzarini in seiner Geburtsstadt. 1709 trat er in Venedig zunächst in die Werkstatt von Gregorio Lazzarini ein, dann setzte er seine Ausbildung bei Sebastiano Ricci fort, der ihn nachhaltig beeinflusste. Ab 1712 hielt er sich in England und Deutschland auf, wo sich in Dresden sein Können ab 1717 zu voller Blüte entfaltete und er als Kirchen- und Bühnenmaler für Kurfürst August III. von Sachsen tätig war. Von einem Aufenthalt in Rom 1726/27 abgesehen, war ab 1720 erneut in Venedig ansässig. Nach dem Tod von Ricci 1734 gab er die Bühnenmalerei auf, wandte sich ganz der Dekorationsmalerei und nahm zahlreiche Aufträge für Historien- und Landschaftsgemälde an. In der vorliegende Zeichnung gelang es dem Künstler, die dramatische Atmosphäre der einzelnen Szenen – eventuell Detailstudien zu einer Auferstehung oder Himmelfahrt – durch schwungvolle, sichere Strichführung in Kombination mit differenzierter grauer Lavierung wiederzugeben. Provenienz: Winterberg, Heidelberg, Auktion 46, 1993. Sammlung Erik Jayme, Heidelberg.
Verkaufspreis: 2.800 €
8
ERNST FRIES
Heidelberg 1801 – 1833 Karlsruhe

Oberwesel mit dem Ochsenturm. Stellenweise in Deckweiß gehöhte Bleistiftzeichnung 1819.
Gebrüder Ernst und Bernhard Fries. Ausstellungs-Katalog Galerie Fach, Frankfurt a.M./Winterberg-Kunst, Heidelberg 2017, Nr. 2 mit Abb. S. 37. –
Datiert „den 26t Juny 1819“ und ortsbezeichnet „Oberwesel“. Auf braun-grauem Bütten mit Wasserzeichen: Anker mit Danish Royal Cipher. 30 x 48,3 cm. Gering fleckig und mit wenigen Papierergänzungen. Linker Rand etwas unregelmäßig sowie rechte obere Ecke mit schwacher Knickspur. Ernst Fries gehört zu den deutschen Künstler, die vor allem im Bereich der Zeichnung im frühen 19. Jahrhundert stilprägend waren. Nach Zeichenunterricht durch Friedrich Rottmann – seine Mitschüler waren Carl Philipp Fohr und Carl Rottmann – und später durch Carl Kuntz studierte Fries 1818 kurz an der Akademie München die Fächer Landschaftsmalerei und und Figurenzeichnen. Er reiste jedoch bald wieder nach Heidelberg und Darmstadt, wo er Freundschaft mit Heinrich Schilbach und Carl Sandhaas pflegte. Bereits im Herbst 1818 unternahm er eine erste Rheinreise; die zweite Studienreise erfolgte im Juni 1819 zusammen mit Rudolf Kuntz und wahrscheinlich auch mit Schilbach im Auftrag des Heidelberger Verlegers Joseph Engelmann für die Mappe ‘Malerische Ansichten des Rheines, der Mosel und des Haardt, und Taunusgebürges’. Hierfür schuf er zahlreiche Zeichnungen, aus denen 18 Blatt ausgewählt und gestochen wurden (Vgl. Wechssler 787-804). Die vorliegende Zeichnung gehört nicht zu den veröffentlichten Motiven, zeigt jedoch das Interesse des Künstlers an bekannten Örtlichkeiten sowie gleichzeitig sein großes Können, vor Ort mit wenigen Strichen, Schraffuren und punktuell eingesetzter Weißhöhung eine stimmungsvolle Atmosphäre einzufangen,
Verkaufspreis: 15.000 €
9
ERNST FRIES
Heidelberg 1801 – 1833 Karlsruhe

Starnberg mit dem Schloß und der Sankt Josefskirche. Bleistiftzeichnung 1823.
Gebrüder Ernst und Bernhard Fries. Ausstellungs-Katalog Galerie Fach, Frankfurt a.M./Winterberg-Kunst, Heidelberg 2017, Nr. 20 mit Abb. S. 65 unten. –
Ortsbezeichnet „Starenberg“ (sic!) sowie verso mit nicht aus dem Nachlaßverzeichnis stammender Inventarnummer „5“ . Auf gelblichem Vélin. 25,3 x 34,6 cm. Schwach fleckig. Die zarte, aber dennoch in den Architekturmotiven detailliert ausgeführte Zeichnung entstand kurz nach dem Aufbruch von Fries zu einer Italienreise in Begleitung von Heinrich Schilbach und den Brüdern Gottfried und Christoph Rist. Am 29.3.1823 erreichten sie den Starnberger See und setzten zur Roseninsel über (Vgl. Wechssler S. 21 mit Abb. 13 sowie Kat.-Nr. 743; dort ‘Skizzenbuch III’ mit Bleistiftzeichnungen mit Motiven der o.g. Italienreise 1823-25). Bereits am folgenden Tag setzte die Gesellschaft ihre Reise über Kochelsee und Walchensee nach Mittenwald fort.
Verkaufspreis: 4.500 €
10
ERNST FRIES
Heidelberg 1801 – 1833 Karlsruhe

Blick von Schlierbach auf den Neckar mit Stift Neuburg. Bleistiftzeichnung 1833.
Gebrüder Ernst und Bernhard Fries. Ausstellungs-Katalog Galerie Fach, Frankfurt a.M./Winterberg-Kunst, Heidelberg 2017, Nr. 46 mit Abb. S.102 oben. –
Verso mit der Nachlaßnummer „579“. Auf chamoisfarbenem Vélin. 31,5 x 47,6 cm. Mit kleiner dünner Papierstelle im Bereich des Berghangs. Frau Prof. Erika Rödiger-Diruf schreibt in der Einführung „Ernst Fries. Zeichnungen aus dem Nachlaß. Eine Auswahl“ zu o.g. Veröffentlichung auf S. 31: „Mit der Zeichnung ‘Blick von Schlierbach über den Neckar und Stift Neuburg’ hat Fries eine ungemein stimmungsvolle, unprätentiöse wie individuelle Ansicht vom Neckar geschaffen. Gezeigt ist der Blick flussabwärts auf den Neckar auf Stift Neuburg rechts im Mittelgrund. Der Standort des Künstlers ist nahe Schlierbach, von dem Teile auf der linken Blatthälfte zu sehen sind Die Zeichnung ist außerordentlich zart gehalten, so dass die subtil gehaltenen Landschaftsformen eher ahn- als sichtbar sind. Eine Ausnahme bildet die Architektur von Stift Neuburg, die Fries dedizierter wiedergegeben hat. Insgesamt herrscht hier nicht das Vedutenhafte, sondern die Landschaft selbst und das intensive Atmosphärische vor, die diffuse Stimmung an einem nebligen oder dunstgeschwängerten Morgen im Flusstal. Darin unterscheidet sich die Darstellung entschieden von jenen, in denen Fries Stift Neuburg thematisiert hat (vgl. Wechssler 775-780 689 und 690)“.
Verkaufspreis: 16.500 €
11
GAETANO GANDOLFI – zugeschrieben
San Matteo della Decima/Bologna 1734 – 1802 Bologna

Zwei Engel am offenen Grab Christi. Figurenstudie, wohl für ein Wandgemälde. Nicht vollständig ausgeführte, stellenweise gewischte Zeichnung in schwarzer Kreide.
Von Feuerbach bis Fetting. Bilder einer Privatsammlung. Ausstellungs-Katalog Städtische Galerie im Kulturhof, Speyer 2002, Nr. 50. –
Auf chamoisfarbenem Bütten mit Wasserzeichen: Kreis mit Buchstabe „P“. 43 x 21 cm, (Darstellung; Blatt: 44,7 x 30,6 cm). Gering fleckig. Ränder schwach gebräunt sowie Fehlstellen an 3 Ecken ergänzt. Besonders im Faltenwurf der Bekleidung der Engel plastisch ausgeführte Arbeit. Laut Hinweis von Frau Prof. S. Ebert-Schifferer, Direktorin de Bibliotheca Hertziana, Rom an den Vorbesitzer, wäre auch die Urheberschaft von Filippo Pedrini bzw. Jacopo Alessandro Calvi denkbar. Provenienz: Sammlung Erik Jayme.
Verkaufspreis: 2.500 €
12
GIOVANNI BATTISTA GAULLI, gen. BACICCIO
Genua 1639 – 1709 Rom

Das Herz Jesu, von Engeln getragen. Lavierte Federzeichnung in Bister über Bleistift mit Bleistiftquadratur, vermutlich Entwurf für eine Lünettenkomposition in einer Kirche.
Von Feuerbach bis Fetting. Bilder einer Privatsammlung. Ausstellungs-Katalog Städtische Galerie im Kulturhof, Speyer 2002, Nr. 52. –
Auf Bütten, am Oberrand auf Unterlage mit Wasserzeichen „Anker im Kreis“, darüber sechseckiger Stern (vgl. Briquet 477ff) montiert. 18 x 23 cm (Darstellung; Blatt: 19,2 x 28,5 cm). Mit geglätteter Mittefalte. Mit restaurierten Beschädigungen im Bereich der rechten oberen Ecke sowie mit winzigen Löchlein am rechten Rand. Am Oberrand auf Unterlage montiert. Gaulli, der neben Porträts und Gemälden mit mythologischen Motiven bevorzugt Kirchendekorationen schuf, wurde besonders bekannt durch das Deckenfresko mit der Verherrlichung des Namens Jesu im Langhaus der von Gian Lorenzo Bernini geschaffenen Kirche Il Gésu in Rom. Provenienz: Winterberg, Heidelberg, Auktion 52, 1996. Sammlung Erik Jayme, Heidelberg.
Verkaufspreis: 4.800 €
13
JAKOB PHILIPP HACKERT – zugeschrieben
Prenzlau 1737 – 1807 Florenz

Römische Ruinen. Federzeichnung in Grau.
Vgl. C. Nordhoff / H. Reimer, Jakob Philipp Hackert. Verzeichnis seiner Werke. 2 Bde. Berlin, Akademie-Verlag 1994, Nrn. 657 (Abb. 307), 666 (Abb. 316), 673 (Abb. 320) und 1202 (Abb. 563). –
Auf Bütten mit Wasserzeichen „J Honig & Zoonen“. 29,8 x 32 cm (Blatt und Darstellung). Gering angestaubt und hauptsächlich am Unterrand stellenweise schwach gebräunt. Mit geglätteter, parallel zum Oberrand verlaufender Knickfalte bzw. mit Knickspur im Bereich des linken Unterrandes. Jakob Philipp Hackert gilt als der angesehenste deutsche Landschaftsmaler des frühen Klassizismus. Seine Reisen von Frankreich nach Rom, in die Campagna, Tivoli und über Neapel nach Sizilien verschafften ihm unschätzbare Eindrücke aller Bereichen der klassischen Landschaft. Seine topographisch genauen Landschaftsveduten sind durch ihren streng klassizistischen Aufbau gekennzeichnet, die er in gewissenhafter und detaillierter Malweise fast ohne jegliche Stimmungswerte darstellte. Hackert konnte sich damit von den frei komponierten heroischen Landschaften seiner römischen Künstlerkollegen absetzen und auf das Interesse an detaillierten italienischen Landschaftszeichnungen als Dokumentations- und Erinnerungsstücke reagieren. Federzeichnungen ohne jede Lavierung als Studien oder Vorzeichnungen für Gemälde oder Sepiapinselzeichnungen sind bei Hackert vielfach zu finden. Die vorliegende Zeichnung zeigt ein Motiv mit einem palastartigen Gebäude, das sich dem Auge des Betrachters nicht gleich erschließt. Sie ist vor der Natur entstanden, worauf auf auch die filigrane Strichführung hinweist (vgl. Krönig-Wegner Nr. 148 mit Abb. rechts). Die kulissenhafte Staffelung der Gesteinsblöcke – teils in Verbindung mit Bogenarchitektur – dokumentiert ähnlich wie bei dem Gemälde ‘Römische Ruinen’ von 1775 (Krönig-Wegner, Nr 136 mit ganzseitiger Abb.) das künstlerische Interesse Hackerts an Ruinen.
Verkaufspreis: 2.200 €
14
JOHANN KASPAR HUBER
Glattfelden bei Zürich 1752 – 1827 Zürich

Baumbestandene Landschaft mit Hütte. Weißgehöhte Tuschpinselzeichnung mit schwarzer Kreide um 1780.
Monogrammiert „J.C.H. „und ortsbezeichnet „bey D…dorf“. Verso in brauner Feder nummeriert „No.101“ (letzte Ziffer nachgezogen). Auf graugrünem Bütten, alt auf blaugraue Büttenunterlage montiert. 28,8 x 48,5 cm (Darstellung; Blatt: 33 x 48,5 cm). Gering angestaubt und etwas fleckig. Während einer dreijährigen handwerklichen Ausbildung zeichnete Huber nebenbei als Autodidakt nach von Hertel in Augsburg herausgegebenen Kupferstichen. Ab 1771 studierte er zwei Jahre bei dem in Zürich tätigen Landschaftsmaler Heinrich Wüest, um sich anschließend auf Wanderschaft zu begeben. Von 1778 bis 1782 setzte er seine Ausbildung an der Düsseldorfer Akademie fort, wo er nach einem Aufenthalt in Antwerpen bis 1789 ansässig war. Nach seiner Rückkehr nach Zürich widmete er sich ausschließlich dem Landschaftsfach. Provenienz: Aus dem Künstlernachlass.
Verkaufspreis: 2.000 €
15
JOHANN KASPAR HUBER
Glattfelden bei Zürich 1752 – 1827 Zürich

Landschaft mit baumbewachsenen Felsen. In Grau lavierte Federzeichnung in Braun mit doppelter Einfassungslinie in Tuschfeder.
Verso auf der Unterlage in brauner Feder bezeichnet „No. 20“. 23 x 30 cm (Darstellung; Blatt: 26,1 x 30,4 cm). Mit quer zur Bildmitte verlaufenden Rissen bzw. kleinen Randbeschädigungen alt auf Büttenunterlage aufgezogen. Schwach fleckig. Während einer dreijährigen handwerklichen Ausbildung zeichnete Huber nebenbei als Autodidakt nach von Hertel in Augsburg herausgegebenen Kupferstichen. Ab 1771 studierte er zwei Jahre bei dem in Zürich tätigen Landschaftsmaler Heinrich Wüest, um sich anschließend auf Wanderschaft zu begeben. Von 1778 bis 1782 setzte er sein Ausbildung an der Düsseldorfer Akademie fort, wo er nach einem Aufenthalt in Antwerpen bis 1789 ansässig war. Nach seiner Rückkehr nach Zürich widmete er sich ausschließlich dem Landschaftsfach. Besonders in der Lavierung nuancenreich ausgeführte Zeichnung mit tiefliegendem Horizont und weiter Himmelspartie. Provenienz: Aus dem Künstlernachlass.
Verkaufspreis: 1.650 €
16
FRANZ KOBELL
Mannheim 1749 – 1822 München

Ideallandschaft mit steiler Felswand, Wasserfall und Monument, am Ufer zwei lagernde Figuren. In Braun lavierte Federzeichnung in Schwarzbraun mit Einfassungslinie in Tuschfeder um 1795 /1800.
Verso von fremder Hand in Bleistift alt bezeichnet „Franz Kobell gez.“ (vermutlich Sammlerbezeichnung C. Wiesböck, Wien; vgl. Lugt 2576). Auf Bütten mit Wasserzeichen „J Honig & Zoonen“. 28,5 x 43 cm (Darstellung und Blatt). Schwach bzw. an den Rändern leicht gebräunt. Gering angestaubt und mit wenigen winzigen Fleckchen. Mit vereinzelten, sorgsam restaurierten Beschädigungen (recto kaum sichtbar) am linken Rand. Meisterhafte und bildmäßig durchgeführte Landschaftskomposition, in einem in Franz Kobells Werk selten vorkommenden großen Format.
Verkaufspreis: 4.800 €
17
FRANZ KOBELL
Mannheim 1749 – 1822 München

Flusslandschaft im Vorgebirge. In Sepia lavierte Federzeichnung in Schwarzbraun mit Einfassungslinie 1814.
Signiert sowie verso nochmals signiert und datiert. Auf chamoisfarbenem Bütten. 13,2 x 20,7 cm (Darstellung und Blatt). Gering stockfleckig. Verso mit Kleberesten in den Ecken. Stimmungsvolle, in zarten Brauntönen nahezu aquarellhaft ausgeführte Zeichnung mit großer, perspektivischer Tiefenwirkung. Provenienz: Aus dem Künstlernachlass.
Verkaufspreis: 1.500 €
18
FRANZ KOBELL
Mannheim 1749 – 1822 München

Südliche, felsige Landschaft mit Badenden. Federzeichnung in Schwarzbraun mit Bleistift und Einfassungslinie in Tuschfeder.
Verso auf der Unterlage mit alten (Sammler- ?) Bezeichnungen von fremder Hand in bräunlichem Farbstift bzw. Tuschfeder (darunter „IP , „No. 21“ bzw. „NO. 33“). Auf Bütten. 11,5 x 18 cm (Darstellung und Blatt). Bis zur Einfassungslinie beschnitten und alt auf grün-beiger Unterlage mit zweifacher Einfassungslinie in Braun montiert. Ideale, in kräftiger und sich stellenweise überlagernder Schraffur ausgeführte Zeichnung. Provenienz: Aus dem Künstlernachlass.
Verkaufspreis: 1.200 €
19
DEUTSCHER KÜNSTLER

Brustbildnis einer jungen Frau mit Haube, im Profil nach links. Stellenweise gewischte Zeichnung in schwarzer, roter und weißer Kreide in der Art von Anton Graff, um 1800.
Auf bräunlichem Bütten. 39 x 26,5 cm (Darstellung; Gesamtgröße: 41 x 28,5 cm). Mit kleiner Quetschfalten alt aufgezogen und mit geglätteter horizontaler Mittelfalte. Vereinzelt braunfleckig und Ränder mit schwarz getuschten Papierstreifen überklebt. Ausdrucksvolles Bildnis mit bewusster Betonung des bürgerlich-privaten Aspekts der Darstellung. Der Kopf der Frau wirkt durch die zarte Rötellavierung sowie die Akzentuierung der Kinnlinie mit Schraffuren lebhaft und frisch, während die Bekleidung und der Hintergrund bis auf den Faltenwurf eher summarisch gezeigt ist. Das leicht geöffnete Oberteil impliziert eine intime Darstellung. Provenienz: Sammlung HP (ligiert) im Wappenschild (nicht bei Lugt).
Verkaufspreis: 3.400 €
20
DEUTSCHER KÜNSTLER

Merkur, Schutzgott des Handels und der Reisenden. Skulptur des Götterboten, umgeben von einer Bogenarchitektur. Wohl Entwurf für die Dekoration einer Wandnische. Gouache um 1800.
Auf chamoisfarbenem Bütten. 43,5 x 26 cm (Darstellung und Blatt). Gering angestaubt, mit wenigen winzigen Löchlein und am rechten Unterrand etwas wasserrandig (recto nicht sichtbar). Die vorliegende Zeichnung ist dem Klassizismus zuzurechnen und verbindet die Illusion einer idealisierten Landschaft mit Rundtempel mit minutiös und perspektivisch gekonnt ausgeführten architektonischen Dekorationselementen. Die in zarter, harmonischer Farbgebung dargestellte Götterfigur hebt sich hell vor der kräftig ausgeführten Umgebung ab.
Verkaufspreis: 1.800 €
21
ITALIENISCHER KÜNSTLER

Antikisierende Szene mit Reitergruppe. Stellenweise weißgehöhte und gewischte Rötelzeichnung mit Einfassungslinie in Schwarzbraun in der Art von Antonio Tempesta um 1700.
Auf bräunlichem Bütten. 27,7 x 42 cm (Darstellung und Blatt). Mit geglätteter Mittelfalte und Papierquetschfalte, kleiner Randfehlstelle sowie geringfügig beschnittener Einfassungslinie im Bereich der linken oberen Ecke alt auf Unterlage montiert. Etwas gebräunt und schwach stockfleckig. Besonders sowohl durch die sparsam gesetzte Weißhöhung der bewegten Figurengruppe als auch durch die Ausarbeitung der Gewänder und der Pferdekörper interessante Arbeit. Provenienz: Sammlung Erik Jayme, Heidelberg.
Verkaufspreis: 1.800 €
22
ITALIENISCHER KÜNSTLER

Herkules und Cacus. Rötelzeichnung nach der um 1620 entstandenen Skulptur von Stefano Maderno, um 1750.
Auf chamoisfarbenem Bütten mit Wasserzeichen: Bekröntes Fleur de Lys- Wappen mit Monogramm „WR“ und Zahl „4“. 37,6 x 23 cm (Darstellung; Blatt: 37,8 x 20,7-23,5 cm; rechter Rand unregelmäßig beschnitten). Vereinzelt (braun-) fleckig. Mit wenigen dünnen Papierstellen am linken Rand sowie mit winziger Fehlstelle in der linken unteren Ecke. Maderno (Palestrina 1575 -1636 Rom) gilt als einer der herausragendsten Bildhauer des 17. Jahrhunderts und trug maßgeblich zur Entwicklung der barocken Skulptur in Italien bei. Der Künstler der vorliegenden Zeichnung hat diese wohl vor dem Original geschaffen. Die hohe Qualität der Zeichnung läßt auf eine geübte Hand schließen.
Verkaufspreis: 4.800 €
23
ADOLPH VON MENZEL
Breslau 1815 – 1905 Berlin

Von einem Teller speisende, junge Frau. Stellenweise gewischte Bleistiftzeichnung um 1878.
Monogrammiert. Auf festem chamoisfarbenem Vélin. 21 x 13,5 cm. Das vorliegende Blatt ist in die Reihe der sog. „Ballstudien“ einzuordnen. Es handelt sich hierbei um eine Studie zu dem berühmten Gemälde „Das Ballsouper“, das Menzel 1878 vollendete. Es wird seit dem Ankauf im Jahr 1906 als eines der bedeutenden Hauptwerke Menzels in der Nationalgalerie in Berlin ausgestellt (Inventar-Nr. A I 902). In der für ihn charakteristischen Weise zeigt der Künstler, leicht von oben betrachtet, die Halbfigur einer dekolletierten jungen Dame. Sie hat den Blick leicht nach unten gesenkt und ist gerade dabei, etwas von dem Teller in ihrem Schoß aufzunehmen. Die festliche Kleidung der jungen Frau mit den Handschuhen unterstreicht die Ballatmosphäre. Für den Vordergrund des Gemäldes schuf Menzel eine Reihe von Studien von jungen Ballbesucherinnen, die – wie auch das vorliegende Blatt – in das endgültige Gemälde aufgenommen wurden. Diese Zeichnungen finden sich u. a. in der Nationalgalerie Berlin (Inventar-Nr. 220) sowie in der Graphischen Sammlung München (Inventar-Nrn. 33335 und 38612). „Seit er am Krönungsbild [König Wilhelm I] gearbeitet hatte, war Menzel häufig zu Hofe geladen. […] Bis in seine letzten Jahre hinein besuchte er die großen Hofbälle, auf denen man sein Beobachten und Skizzieren duldete, auch wenn er dazu mitunter auf einen Tisch kletterte. Die über viele Jahre hin entstandenen „Ballstudien“ bilden auch dem Stil nach eine Werkgruppe für sich, die in einer roten Tasche im schwarzen Spind des Ateliers aufbewahrt wurde. ‘Das Ballsouper’ bietet eine Synthese dieser Beobachtungen. Das von Motiven überquellende, räumlich komplexe Bildgeschehen mußte sich auf der Leinwand selbst ordnen, denn der späte Menzel vermied es, Bilder zu entwerfen. Daher ein mosaikartiges, verwirrendes Vielerlei… In der großen Pause zwischen den Tänzen, während der Hof sich bereits zurückgezogen hat, bedient sich die zweite Garnitur der Gäste am Büffet. Die Damenwelt beherrscht die rechte Bildhälfte, die linke ist das Reich der Herren. Überall Unbequemlichkeiten und Ablenkungen. Allen Höflichkeiten zum Trotz behindert jeder jeden“ (https://recherche.smb.museum/detail/962848/das-ballsouper). Provenienz: Anfang des 20. Jahrhunderts wurde das vorliegende Blatt auf Empfehlung von Hans Thoma, damals Direktor der Kunsthalle Karlsruhe und Professor an der Großherzoglichen Kunstschule, von Karl Malsch, Karlsruhe gekauft. Seitdem Süddeutsche Privatsammlung.
Verkaufspreis: 28.500 €
24
ANTONIO MOLINARI – zugeschrieben
Venedig 1655 – nach 1735 (?)

Auf einer Wolke thronenden Maria mit dem Jesusknaben, davor ein Heiliger kniend, darunter anbetende, nackte Figuren. Lavierte Federzeichnung in Braun über Bleistift, wohl Vorstudie für ein Deckengemälde.
Auf Bütten mit Wasserzeichen: „Lilie mit angehängtem T“. 19,5 x 25 cm (Darstellung; Blatt: 26,5 x 20,5 cm). Mit geglätteter, horizontaler Faltung. Schwach braunfleckig. Ränder gering unregelmäßig und hauptsächlich an den oberen Ecken mit durchscheinenden Kleberesten. Molinari war Schüler seines Vaters Giovanni Battista Molinari sowie später wahrscheinlich des Tenebristen Antonio Zanchi in Venedig. Er entwickelte, beeinflußt durch die venezianische Malerei des 16. Jahrhunderts sowie der hochbarocken Malerei von Luca Giordano und Pietro da Cortona seinen eigenen Stil und gilt als einer der führenden Maler des späten Seicento und beginnenden Settecento in Venedig. Provenienz: Winterberg, Heidelberg, Auktion 41, 1990. Sammlung Erik Jayme, Heidelberg.
Verkaufspreis: 1.800 €
25
MARTIN VON MOLITOR
1759 – Wien – 1812

Waldlichtung mit mächtiger Eiche am Teich. Zeichnung in schwarzer Kreide mit Einfassungslinie in Tuschfeder.
Verso alt bezeichnet „Molitor fec“. Auf Bütten mit Wasserzeichen „C & I Honig“ (angeschnitten). 32,4 x 43 cm (Darstellung und Blatt). Alt auf Sammlerunterlage montiert. Etwas angestaubt und fleckig. Ab 1779 studierte von Molitor in Wien in der Klasse für Landschafts-Zeichnung und Malerei bei Johann Christian Brand, zu dessen talentiertesten Schülern er zählte. Seit 1787 als Assistent Brands tätig, erhielt er 1789-95 ein zusätzliches Stipendium und reiste 1802 im Auftrag des Kunst- und Industriecomptoirs mit Jakob Gauermann nach Tirol, um „Prospecte aus dem Tyrol“ anzufertigen. Daraufhin wandte er sich vermehrt heimischen Motiven zu. Er malte und zeichnete mit Vorliebe die nähere Umgebung Wiens. Bereits zu Lebzeiten fanden seine Werke großen Anklang und waren in allen wichtigen Wiener Privatsammlungen der Zeit vertreten. Im Oeuvre des Künstlers finden sich Gouachen (oft auf blauem Papier), Zeichnungen in Bleistift, Sepia, Tusche oder Kreide sowie Radierungen und wenige Ölgemälde. Seine Werke gehören der Übergangszeit zwischen spätbarocker, italianisierender Ideallandschaft nach dem Vorbild von Claude Lorrain bzw. Nicolas Poussin und tatsächlicher Landschaftsdarstellung an, denen ein intensives Natur-Studium vorausgeht.
Verkaufspreis: 2.000 €
26
FRIEDRICH OVERBECK
Lübeck 1789 – 1869 Rom

Anbetung der Könige. Bleistiftzeichnung mit Einfassungslinie um 1811/12.
Blühm, Andreas und Gerhard Gerkens (Hrsg.): Johann Friedrich Overbeck, Lübeck 1989, Nr. 79 mit Abb. S. 195. B. Heise, Friedrich Overbeck. Künstler des Lukasbundes (Ausst.-Kat. Winterberg), Heidelberg 2009, Nr. 02. –
Auf transparentem Papier. 16,8 x 22 cm (Darstellung; Blatt: 18 x 22,5 cm). Stellenweise geringfügig wellig. Ab 1810 studierte Overbeck an der Wiener Akademie, opponierte jedoch bald gegen den Lehrbetrieb und gründete zusammen mit Franz Pforr, Joseph Sutter und anderen Künstlern den „Lukasbund“. Ab 1810 in Rom ansässig, konvertierte er 1813 zum Katholischen Glauben und demonstrierte damit auch äußerlich die Hinwendung zu der Religion, welcher seine Darstellung fast ausschließlich galten. Frau Brigitte Heise schrieb a.o.O. zu diesem Blatt im Mai 2008: „Das vorliegende Motiv stammt aus der frühen römischen Zeit Overbecks und ist eine Variante von der im Kupferstichkabinett der Museen für Kunst und Kulturgeschichte der Hansestadt Lübeck unter der Inventar-Nummer 1948/12 befindlichen lavierten Feder- und Pinselzeichnung. Die Komposition ist identisch; im Detail sind jedoch Unterschiede sichtbar: die Quadrierung der Mauer ist zugunsten einer ruhigen Fläche aufgegeben, es fehlt die Aura des Sterns. Die vorliegende Zeichnung ist stärker auf den Umriss konzentriert und durch den Wegfall der malerischen und modellierenden Wirkung der Lavierung wirkt sie flächiger und mit geringerer Tiefenwirkung. Denkbar ist eine Entstehung vor der Umsetzung in das Gemälde, da die Struktur der Zeichnung, die im Format nur geringfügig von der ersten Fassung abweicht, stärker „kartonähnliche“ Züge aufweist. Das Gemälde für die Königin Caroline von Bayern stellt die Szene seitenverkehrt dar (heute Hamburger Kunsthalle)“. Provenienz: Sammlung Königs Friedrich August II von Sachsen, Dresden (Lugt 971). Winterberg, Heidelberg, Auktion 1, 1970 und Sammlung Richard Bellm, Karlsruhe.
Verkaufspreis: 12.500 €
27
FRIEDRICH OVERBECK
Lübeck 1789 – 1869 Rom

Christus wird mit dem Kreuz beladen. Entwurf für die Folge der Kreuzwegstationen. Bleistiftzeichnung, stellenweise mit Einfassungslinie, um 1850.
Bezeichnet oben links: „2“. Auf Vélin. 12,6 x 8,9 cm (Darstellung und Blatt). Alt auf Unterlagekarton montiert. Friedrich Overbeck begann 1850 eine Serie von Aquarellen zu den Kreuzwegstationen im Auftrag des Carlo Baldeschi und des Marchese Campana. 1857 war der Zyklus von 14 Blättern beendet. 1861 nahm er die Serie noch einmal auf, dieses Mal für den Bildhauer Carl Hoffmann zur Ausführung als Basrelief. Die Nummerierung der Skizze weist auf die zyklische Folge hin. Blatt 2 zeigt den Beginn des Weges: Christus wird mit dem Kreuz beladen. Die vordere Gestalt des Schergen und die des hinteren sind in der endgültigen Formulierung beibehalten. Die Haltung Christi wird leicht verändert, das Antlitz ist nun dem Betrachter zugewandt. Die Figuren im Hintergrund werden durch das entsetzte Abwenden dramatisiert und zu Reitern umgewandelt. Deutlich ist noch die Orientierung an der Skizze durch den Turban des vorderen Reiters. Die Folge wurde im Anschluss von B. Barloccini gestochen. Provenienz: Sammlung Prinz Johann Georg, Herzog von Sachsen (Lugt 1162 c). Winterberg, Heidelberg, Auktion 2, 1970 und Sammlung Richard Bellm, Karlsruhe.
Verkaufspreis: 5.500 €
28
FRIEDRICH OVERBECK – Umkreis

Die Grablegung Christi. Umrisszeichnung nach dem um 1315/30 entstandenen Freskenzyklus von Pietro Lorenzetti zum Leben Christi in der Unterkirche San Francesco, Assisi. Bleistiftzeichnung um 1829.
B. Heise, Friedrich Overbeck. Künstler des Lukasbundes (Ausst.-Kat. Winterberg), Heidelberg 2009, Nr. 20. –
Auf Bütten. 10 x 14,5 cm. (Darstellung; Blatt: 22,4 x 29,3 cm). Gering stockfleckig. Unterrand schwach angestaubt und mit kleiner hinterlegter Fehlstelle am Oberrand. Zu der bevorzugten Lektüre der Nazarener gehörten die „Lebensläufe der berühmtesten Maler, Bildhauer und Architekten“ von Giorgio Vasari. Sie waren wichtiger Bestandteil der abendlichen Lesestunden im Kloster San Isidoro. Die Viten und Werke der Künstler der Frührenaissance waren den Freunden um Friedrich Overbeck vorbildhaft. So pilgerten sie zu den Orten, wo sie diese Werke vor Ort studieren konnten. Dazu gehörte vor allem San Francesco in Assisi. Der Zyklus zum Leben und Tod Christi befindet sich im linken Querschiff der Unterkirche San Francesco in Assisi. Auch hier wird die Darstellung auf den Umriss reduziert, auf jegliche Binnenstruktur und ornamentale Gestaltung verzichtet. Auch das im Fresko stilisierte Bergmotiv rechts der Figurengruppe wird ausgespart. Zeichnungen wie diese sollten das Auge und die Hand der Künstler um Overbeck schulen, um im Sinne der Vertreter der italienischen Frührenaissance die eigene Malerei zu prägen. Provenienz: Sammlung Prinz Johann Georg, Herzog von Sachsen (Lugt 1162 c) mit der Inventarnummer „S. I. No. 3914“. Winterberg, Heidelberg, Auktion 1, 1970 und Sammlung Richard Bellm, Karlsruhe.
Verkaufspreis: 3.500 €
29
NICOLAS POUSSIN – Umkreis

Christus mit Petrus am See Genezareth, daneben lagernde Jünger am Ufer und in einem Fischerboot. Lavierte Pinselzeichnung in Braun über Vorzeichnung in Kohle und Bleistift mit teilweiser Einfassungslinie in Braun.
Auf zusammengesetztem Bütten mit Wasserzeichen: Kreis mit Buchstaben „ES“. 29,3 x 46,3 cm (Darstellung und Blatt). Mit geglätteter und hinterlegter Mittelfalte und kleiner Eckknickspur. Schwach gebräunt sowie stockfleckig. Interessante Zeichnung, die stilistisch dem klassizistischen Barock zuzuordnen ist.
Verkaufspreis: 1.800 €
30
GIOVANNI RAGGI
Bergamo 1712 – 1792 Madrid

Zwei weibliche, von Putten begleitete Figuren, auf einer Wolke schwebend. In Zartbraun lavierte Federzeichnung in Braun über Bleistift, mit Einfassungslinie in Schwarzbraun.
Vgl. Ausst.- Kat. Les Dessins venitiens des Collections de l’Ecole des Beaux-Arts, Paris, 1990, Nr. 83ff. –
Auf Bütten. 24 x 18,5 cm (Darstellung; Blatt: 31,5 x 24,5 cm). Gering fleckig bzw. mit schwacher grauer Farbspur. Linker Rand hinterklebt, bzw. Ränder teils mit wenigen durchscheinenden Kleberesten. Obere rechte Ecke mit geringfügiger Knickspur. 1733 traf Raggi auf Giovanni Battista Tiepolo, als dieser die Colleoni-Kapelle in Bergamo freskierte. Durch Empfehlung des Paduaner Musikers Lodovico Ferronati und des Mäzens Graf Giovanni Pesenti erhielt Raggi die Möglichkeit, Tiepolo nach Venedig zu folgen und von ihm 1733-41 in Malerei unterrichtet zu werden. Provenienz: Winterberg, Heidelberg, Auktion 44, 1992. Sammlung Erik Jayme, Heidelberg.
Verkaufspreis: 2.400 €
31
FRIEDRICH CHRISTIAN REINERMANN
Wetzlar 1764 – 1835 Frankfurt/M.

Italienische Landschaft mit Bachlauf. Lavierte Pinselzeichnung in Braun über Bleistift mit aufgesetzter, in Grün lavierter Blende mit Einfassungslinie in Tuschfeder.
Auf der aufgesetzten Blende signiert. Auf leichtem chamoisfarbenem Bütten mit angeschnittenem Wasserzeichen: „Bekröntes Fleur-de-Lys-Wappen“. 26,1 x 36,4 cm (Blatt). Mit leichten Unregelmäßigkeiten (rechts) auf Bütten aufgezogen. Schwach fleckig. Reinermann reiste 1789/90 nach Italien, wo er sich vor allem als Schüler von L. Ducros in Rom aufhielt. Sein Werk ist geprägt von Landschaftsveduten sowohl in Aquarell als auch in Sepia und Aquatinta. Provenienz: Süddeutsche Sammlung.
Verkaufspreis: 1.500 €
32
FRIEDRICH SUSTRIS – zugeschrieben
Venedig (?) 1540 – 1599/1600 München

Das jüngste Gericht. Lavierte Federzeichnung in Braun mit Einfassungslinie.
Auf Bütten. 26,5 x 38,4 cm (Darstellung; Blatt: 30 x 43,8 cm). Vereinzelt (hauptsächlich an den Rändern) gering angestaubt und fleckig. Mit kleinen, hinterlegten Einrissen am Ober- bzw. Unterrand. Sustris wurde in Italien ausgebildet und arbeitete an mehreren Projekten unter Giorgio Vasari, dem künstlerischen Leiter von Herzog Cosimo I. de Medici von Florenz. Dort verfeinerte er nicht nur den vasarischen Figurenstil, sondern lernte auch, große vielschichtige Projekte zu leiten, an denen zahlreiche Künstler der verschiedensten Gattungen beteiligt waren, so z. Bsp. die Ausgestaltung der Badstuben der Stadtresidenz des Augsburger Bankiers Hans Fugger oder die Erweiterung und Ausschmückung der Burg Trausnitz in Landshut für Herzog Wilhelm V. von Bayern. Nach dem Tod Herzog Albrechts V. zog Wilhelm V. nach München, wo Sustris für eine Vielzahl von Projekten verantwortlich war, von großformatigen gemalten Programmen über gestochene Andachtsgraphik bis hin zu Hoffesten und Feuerwerksdarbietungen. 1582-89 realisierte der Künstler zwei Vorhaben in der Münchner Residenz. Die Gewölbe des Grottenhofs wurden mit Fresken ovidischer Motive ausgestattet und das Antiquarium, in dem früher die Sammlung antiker Büsten und Münzen Albrechts V. untergebracht war, wurde in einen Bankettsaal mit heute noch erhaltenen Grotesken und allegorischen Figuren an Wänden und Decke umgestaltet. 1586 zum Hofkünstler ernannt, fertigte Sustris Entwürfe für Werke, die von anderen Künstlern ausgeführt wurden, so dass er großen Einfluss auf die vom Hof in dieser Zeit in Auftrag gegebene Kunst hatte. Ein umfangreicher Bestand an Zeichnungen und Druckgraphiken dokumentiert seinen Verdienst, den Spätrenaissance-Stil am Hof der Wittelsbacher und somit auch in weiten Teilen Süddeutschlands eingeführt zu haben. Die vorliegende, manieristisch wirkende Zeichnung erhält ihren Reiz durch das Wechselspiel von Kontur und geschickter Lavierung, die die Plastizität der Figuren akzentuiert. Sie zeigt in kapriziösem und spannungsgeladenem Stil eine Fülle von einzelnen Motiven, die sich zu einer eindrucksvollen Komposition zusammensetzen. Sammlung Helmut Märkt, Reutlingen (nicht bei Lugt).
Verkaufspreis: 3.800 €
33
PHILIPP VEIT
Berlin 1793 – 1877 Mainz


Die Erscheinung (recto) – Das Abendmahl (verso). Einem jungen Mann erscheint ein Heiliger mit zwei Engeln vor einem Altar mit Kruzifix – Christus mit seinen Jüngern. Bleistiftzeichnung mit abgerundetem Oberrand und Einfassungslinie.
Abendmahl vgl. N. Suhr, Philipp Veit. Leben und Werk eines Nazareners. Weinheim 1991, K 36 und Z 138 (dort Karton bzw. Zeichnung mit Skizzen zu den Wandbildern im Mainzer Dom). –
Verso mit kleiner Variante des o.g. Motivs am Unterrand sowie mit Bezeichnungen von fremder Hand. Auf Vélin. 32,5 x 22 cm (Darstellung; Blatt: 36,2 x 23,2 cm). Gering angestaubt und vereinzelt stockfleckig. Rechter Rand mit schwacher Knickspur. Das Format und die detailgetreue Ausführungen der beiden Zeichnungen legt nahe, dass es sich um Entwürfe für Gemälde handelt. Provenienz: Sammlung Prinz Johann Georg von Sachsen (Lugt 1162 c) mit Inventarnummer „S I 35389 u 90“ (verso auf dem Orig.-Passepartout). Sammlung Richard Bellm, Karlsruhe.
Verkaufspreis: 2.800 €
34
PETER ANTON VON VERSCHAFFELT
Gent 1710 – 1793 Mannheim

Herakles am Scheideweg. Federzeichnung in Braun mit Rötel.
Vgl. Städtisches Reiss-Museum Mannheim, P. A. Verschaffelt, Mannheim 1976, Nr. 70 c. –
In Bleistift alt bezeichnet „Hercule conseille, s’il doit suivre la vertue ou la vie“. Auf zart graublauem Bütten mit Wasserzeichen „WAKNST“ (Fragment). 18,3 x 17,5 cm (Darstellung; Blatt: 20,8 x 17,5 cm). Am linken Rand alt auf gelb eingefärbte Büttenunterlage mit Wasserzeichen „IV“ montiert. Vereinzelt stockfleckig und mit winzigem Löchlein. Die bildhaft ausgeführte Zeichnung zeigt eine Szene aus der griechischen Mythologie. Der jugendliche Herakles steht zwischen der Göttin Athena und der Göttin Aphrodite, die von einem kleinen Amor begleitet wird. Sie personifizieren die Tugend bzw. die Lust und weisen dem Helden den Weg zu Ruhm und Ehre oder zu Genuss und Reichtum. Die Gesamtkomposition der Zeichnung ist ausgewogen und harmonisch, die zentrale, fast statische Gestalt des Herkules wird durch die beiden nach den Seiten strebenden Frauengestalten flankiert und durch den Bildaufbau das Dilemma des Helden verdeutlicht. Provenienz: Sammlung Inge Schlenker, Heilbronn, erworben im Stuttgarter Kunsthandel, 1974.
Verkaufspreis: 3.800 €
35
PETER ANTON VON VERSCHAFFELT
Gent 1710 – 1793 Mannheim

Stratonike und Antiochos. Tuschfederzeichnung mit Rötel, stellenweise mit doppelter Einfassungslinie in Bleistift bzw. brauner Feder.
Mit dreizeiligem altfranzösischem, erklärendem Text in brauner Feder unterhalb der Darstellung „Erasistrato Medecin d’antioco…“. Verso auf der Unterlage von fremder Hand alt in brauner Feder bezeichnet mit „A. No. 113 f“. Auf blaugrauen Bütten mit Wasserzeichen „IFLNST“, am linken Rand alt auf gelb eingefärbte Büttenunterlage mit Wasserzeichen „Fleur de Lys“ im Doppelkreis aufgezogen. 20 x 27 cm (Darstellung; Blatt: 38,8 x 34 cm). Mit kleinem Fettfleck am Oberrand. Das vorliegende Blatt zeigt eine Szene aus der griechischen Mythologie, die von Appian und Plutarch überliefert und mehrfach in der Bildenden Kunst aufgegriffen wurde: Antiochos, der Sohn des Diadochenkönigs Seleukos I, erkrankte schwer. Sein Vater beauftragte Erasistratos, den besten Arzt der damaligen Zeit, ihn zu heilen. Während der Untersuchung betrat Stratonike, Tochter des Königs Demetrios I. und junge Ehefrau von Seleukos, das Gemach. Erasistratos erkannte daraufhin an den Symptomen seines Patienten, dass kein körperliches Leiden, sondern die Liebe zur Stiefmutter die Krankheitsursache war. Um ihn zu heilen, überließ König Seleukos I. seinem Sohn Frau und Reich. Provenienz: Niederländischer Privatbesitz.
Verkaufspreis: 4.200 €
36
PETER ANTON VON VERSCHAFFELT
Gent 1710 – 1793 Mannheim

Der Wettkampf des Apollo mit dem Satyr Marsyas. lllustration zum VI. Buch der Metamorphosen des Ovid. Federzeichnung in Schwarzbraun mit Rötel, stellenweise mit Einfassungslinie.
Auf graublauem Bütten mit Wasserzeichen „Bekröntes doppeltes C“, am linken Rand alt auf gelb eingefärbte Büttenunterlage mit Wasserzeichen „Wappen mit Schrägbalken“ aufgezogen. 32,8 x 29 cm (Darstellung und Blatt). Schwach angestaubt und mit wenigen Stockfleckchen. Mit gerinfügiger, verikaler Knickspur. Der Satyr Marsyas hatte sein Spiel auf der Doppelflöte so perfektioniert, dass er sich Apollo, dem Gott der Künste und der Musik, gewachsen fühlte und diesen zu einem Wettstreit herausforderte. Die Musen als Schiedsrichter erklärten zunächst Marsyas zum Sieger; erst nachdem Apollo seinem Spiel auf der Kithara noch den Gesang hinzufügte, gewann er den Wettbewerb. Der antike Mythos wurde seit der Renaissance gerne als Motiv aufgegriffen, denn sie symbolisierte durch die Rivalität zwischen Blas- und Saiteninstrumenten den Unterschied zwischen sinnlicher und intellektueller Form der Musik. Provenienz: Sammlung Inge Schlenker, Heilbronn, erworben im Stuttgarter Kunsthandel, 1974.
Verkaufspreis: 4.800 €
